Stadtrundgang Kunst

IMG_20170828_225809

Neonschild Schöneggstrasse/Feldstrasse, vermutlich Privat

Anhand einer Umfrage an unterschiedlichste Personen wurden einige Kunstwerk im öffentlichen Raum zusammengetragen, die eine Vielfalt von zumeist zeitgenössischem Kunstschaffen repräsentiert. Ferner wurden Hintergrundinformationen zu den einzelnen Werken gesammelt (Entstehung, Künstler/innen etc.) und auch persönliche Meinungen eingeholt.

 

Karte für den Rundgang zu faszinierenden Kunstwerken im Stadtraum Zürich:

Advertisements

Performance-Kunst / Entwicklung

Performance (engl.) steht einerseits für Vorführung, Darstellung, Auftritt, bedeutet aber auch Leistung. So kann die Performance daher der Wirtschaft, dem Sport (performen, leisten) und ebenso dem Theater (performen, auftreten) zugeordnet werden. Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Begriff auch in der Kunst eingeführt. Der Körper wurde als Medium entdeckt und die Kunstproduktion von Objekten durch physische, im Raum sich vollziehenden gegenwärtigen Handlungen ersetzt.

Das Ereignishafte ähnelt dem Theater. Anders als jedoch beim klassischen Theater (Dialoge, Bühne, festgelegte Handlungen) finden Kunst-Performances zumeist anhand offener Handlungen, in einem realen Raum und in Echtzeit vor Publikum statt. Performances übertragen unter anderem nicht-künstlerische, oft banale Alltagshandlungen in die Domäne der Kunst, wodurch sich die Bedeutung und Einbettung dieser Handlungen grundlegend ändert. Verschiebung des Kontextes sollen ein kritisches Bewusstsein für gesellschaftliche Zwänge und Regeln erzeugen. Durch die zu meist offene Handlung gibt es ferner anders als beim Theater kein klar definiertes Ende (Vorhang fällt, Applaus). Nach dem Kollaps von Fiktion und Realität wird das Publikum ins ungeschützte Offene entlassen.

GlaserKunz_Josefwiese

GLASER / KUNZ, WANDERNDE MAUER, 2017, Performance, ca. 6 Std., Backsteine ca. 280x600cm, https://www.stadt-zuerich.ch

Performative turn – Veränderung künstlerischer Perspektiven

Der ‚performative turn‚ verlagert das Interesse auf die Tätigkeiten des Produzierens und Herstellens und auf Handlungen, Austauschprozesse, Veränderungen. Im Zentrum stehen weniger die Gegenstände, Monumente und Kunstwerke, die als Repräsentation einer Kultur und deren Selbstverständnisses betrachtet werden, sondern die dynamischen Prozesse, in denen sie hergestellt und verwendet werden.

Eine Bildende Kunst, die sich immer stärker theatralisiert und sich der Aktion und dem Ereignis zuwendet, sowie die zunehmende Inszenierung und Ästhetisierung von gesellschaftlichen Ereignissen deuten darauf hin, dass die Grenzen zwischen den Künsten ins Wanken gebracht hat. Produktionen, wie beispielsweise Rimini Protokoll, sind nicht mehr eindeutig als Theaterstücke im klassischen Sinne zu definieren, sondern integrieren Strategien von Aktionskunst, Happening, Fluxus und Performance-Kunst*. Ins Blickfeld künstlerischer Praxis rücken damit häufig:

  • Konkreter Handlungsvollzug und Präsentation von theatraler Repräsentation im Sinne eines „so-­tun-­als­-ob“;
  • Selbstdarstellung statt Rollen-­ und Figurendarstellung;
  • Ereignishaftigkeit, offene Dramaturgien, Interaktions-­ und Improvisationsmomente und unmittelbare Zuschaueransprache;
  • Multiperspektivität durch das Nebeneinander von Erzählsträngen, Deutungsmöglichkeiten und Perspektiven auf den Gegenstand.

(Performativität und Kulturelle Bildung, Malte Pfeiffer, Erscheinungsjahr: 2013 / 2012)

* Aktionskunst: prozesshaftere Formen künstlerischer Praxis, u.a. Performance // Happening: improvisiertes Ereignis direkt mit Publikum // Fluxus: Idee zählt, nicht das Kunstwerk selbst


Entwicklung: Body Art der 1960/70er

Der Körper als Ausdrucksform/Medium, welcher die Produktion von Kunstobjekten durch physisches Handeln ersetzt. Die Kommunikation zwischen Betrachtenden und Ausführenden erfolgt durch den Körper der Performenden. Dieser Austausch zwischen Künstler/innen und Publikum bildete eine neue Grundlage in der bildenden Kunst, welcher durch avantgardistische Strömungen des 19./20. Jahrhunderts möglich gemacht wurden. In den späten 1970er Jahren klang mit dem Ende gesellschaftskritischer Protestbewegungen der Performance-Überschwang etwas ab.

Die Frühphase der Performance-Kunst fiel in eine Zeitstimmung, die vom kalten Krieg (West- und Osteuropa), Vietnamkrieg und Kubakrise, expandierender kapitalistischer Warenwirtschaft aber auch ersten globale Rezessionenen der Nachkriegszeit, Beginn der massenmedialen Vermittlung sowie verschärfte Generationenkonflikte, Geschlechterrollen und auch Ethnien geprägt war. In der daraus resultierenden politisch-religösen Befreigungssucht, integrierte sich anscheinend die Performance-Kunst. (Michael Lüthy, Struktur und Wirkung in der Performance-Kunst, 2009)

Das Katharsis-Konzept aus der Antike liegt wie beim Theater auch in der Performance-Kunst nahe und wir oft in diesem Zusammenhang diskutiert. Anhand der körperlichen, physisch meist an die grenzengehenden Performances sollten starken emotionalen Spannungen vermittelt werden, an denen letztenendes die Zuschauenden erläutert, gestärkt hervorgehen sollten, indem sie sensibilisiert aber auch geschockt, oder entfremdet durch das soeben Bezeugte wurden.

Ferner hatten Performances im kulturellen Kontext dieser Zeit einen Aussenseiterstatus. Sie wurden häufig an halböffentlichen und privaten Orten von einem auserwählten Publikum durchgeführt. Die Beziehung zwischen Publikum und Performenden war relevant. Die Bereitschaft des Publikums musste gegeben sein, dass die fiktive künstlerische Situation in dem Moment als wahr anzusehen war, auch wenn die fantastisch oder unmöglich zu sein schien.

Beispiele:


Delegierte Performance der 1990er/2000er

(Auszüge aus Claire Bishop ‚Black Box, White Cube, Public Space‘, Out of Body, Skulptur Projekte Münster 2017)

Es ist das Entstehen eines Phänomens zu beobachten, das als ‚delegierte Performance‚ bezeichnet werden kann, also die einzigartige und charismatische Präsenz des Künstlers, die in der Body Art der 1970er Jahre noch so wichtig war, an Laien outgesourct wird, die eine authentische gesellschaftliche Gruppe repräsentiert (z. B. eine bestimmte Klasse oder Ethnie, oder über Gender, Behinderung oder andere identitäre Zuschreibungen definierte Gruppen).

Dass zunehmend mit Anweisungen gearbeitet und die Dauer der Veranstaltungen auf die Zeit einer Ausstellung ausgeweitet wurde, hat die Performance verändert: Aus einer an persönliches Charisma gebundenen Kunstform wurde eine Kunstform, die auf die kontinuierliche Präsenz engagierter Darsteller setzt. Das Bedürfnis nach Wiederholung und Dauerpräsenz macht Performances immer mehr und deutlich sichtbar zu einer Form der bezahlten Arbeit.

Es hat sich eine ganze Unterklasse von Darstellern entwickelt, die sich auf die Umsetzung outgesourcter Performances anderer Künstler spezialisiert hat und in der mit Verträgen gearbeitet wird, die zwar nicht ganz komplett auf Zuruf funktionieren, aber doch in jedem Fall kurzfristig sind und keinerlei Sozialleistungen abdecken. Zugleich rekurriert die Schichtarbeit auf ein älteres Beschäftigungsmodell: die Fließbandarbeit des Fordismus.

Der Vergleich mit immaterieller Arbeit lässt sich aber dennoch aufrechterhalten. Denn immer öfter werden diese outgesourcten Performer gebeten, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und dem Projekt des Künstlers/Choreografen so Authentizität und Kreativität zu verleihen. In den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende reichte es noch, eine bestimmte Identität zu inszenieren (Irakkriegsveteranen, taube Jugendliche, polnische Immigranten usw.).

Wurden delegierte Performances heftig dafür kritisiert, gesellschaftliche Gruppen zu Objekten zu machen (mit dem Hauptkritikpunkt, dass die Künstler es versäumten, den Darstellern eine „Stimme“ zu geben), setzen sich die jüngsten Formen zeitgenössischer Performance hingegen eher dem Vorwurf aus, die persönlichen Geschichten und sprachlichen Kapazitäten der Beteiligten auszubeuten.

Heute sind an die Stelle dieser heftig kritisierten Form, Menschen zu Objekten zu machen, durchdringendere Formen affektiver Arbeit getreten.

Tino Sehgals 2012 in der Tate Modern gezeigte Performance ‚These Associations‘ beruhte beispielsweise darauf, dass die Performer ihre eigenen Erfahrungen einbrachten, wann sich bei ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit eingestellt hatte, wann sie sich angekommen fühlten. Diese Geschichten wurden dann über einen Zeitraum von drei Monaten an vier oder fünf Tagen die Woche in Sieben-Stunden-Schichten für die Zuschauer immer wieder dargeboten. Ein wesentlicher Bestandteil der Performance war die „sprachliche Kooperation“ der Performer mit dem Publikum.


Video-Performance

Ein spezielles Genre der Performance-Kunst ist die Video-Performance, welche ohne Publikum eigens für die Kamera aufgezeichnet wird. Einerseits kann die Kamera nur für rein dokumentarische Zwecke eingesetzt werden und die Aktion aufzeichnen, anderseits kann das Medium Video selbst ein konzeptionelle, referenzielle Rolle in der Performance spielen.

Themen der Performancekunst – wie die Akzentuierung einzelner Handlungsabläufe oder des menschlichen Körpers selbst werden explizit zur Grundlage von Videoarbeiten, die ästhetische Wirkung kann manipuliert und mit Zeit, Rhythmus, Wiederholungen gespielt werden.

square_piece1_PAL_neutral 01001910

square pieces#1, Silvia Popp, Ausstellung „Ja, nein, vielleicht.“ Kunstmuseum Thurgau 2009 /  http://boutique-pamela.ch

Brainstorming Frankental

  • erste Eindrücke nach Rundgang durchs Quartier und Informationen aller Beteiligten sammeln
  • erste Ideen notieren & weitere Schritte planen (wie beispielsweise Prozess der entstehenden Projekte sichtbar machen in Frankental)
  • Motivieren, über Sommerpause Ideen zu konkretisieren

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Einführung Projekt Frankental / Performance


Schwerpunkte Seminar Performance / Frankental

Performance Entwicklung & heute, verschiedene Möglichkeiten von Performen (Umsetzung/Medien):

  • selbst, vor Ort / delegieren
  • Einbezug von Akteur/innen oder Publikum, interaktiv
  • Videoperformance / Dokumentation
  • Zeitfaktor: einmalig, Wiederholungen, dauernd
  • ortsspezifisch, kontextspezifisch

Beispiele:

>> https://derlaengstetag.wordpress.com/2014/05/25/17-29-18-26-yvonne-good-zurich-ch/#jp-carousel-581

>> http://www.oh-wiederkehr.ch/portfolio/performance/sheltering-shared-spaces-and-moments-in-friction/

>> http://www.kunstkasten.ch/?page_id=53

Öffentlicher Raum, Stadtentwicklung / Frankental (inhaltliche Schwerpunkte):

  • Stadtplanung, Siedlungen ohne öffentliche Gemeinschaftsräume
  • Verkehr, Durchgangsstrassen durch Siedlungen erschweren Kontakt
  • Räume für gemeinschaftliche Aktivitäten / Austausch schaffen

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Zusammenarbeit Performance/Fotografie/Video

  • Projekte, die sich beider Medien bedienen / Zusammenarbeit
  • Performance fotografieren/filmen -> Dokumentation (Zusatz)
  • Gemeinsamer Input Start, anschliessend Projektbegleitung von beiden Seiten

Rundgang Frankental (Patrick Bolle) / Nachmittag

  • Infos über das Quartier
  • Raum, indem das Projekt stattfinden kann
  • Mögliche Zusammenarbeiten mit Quartierbewohnenden