Kunst in Zürich – quo vadis

Zürich hat eine florierende Kunstszene – Museen, Galerien und Off-Spaces, notabene zwei Kunstschulen, internationale Kunstausstellungen wie beispielsweise Manifesta 2016 und eine wachsende Kunst im Öffentlichen Raum – für eine Stadt der Grösse von knapp 500’000 Einwohnenden ein vielfältiges Angebot. Dennoch wird Zürich kaum als Kunststadt wahrgenommen, warum ist dem so? Obwohl die Kunsthauserweiterung just in Gange ist sowie das Löwenbräu-Areal einen Umbau und Neupositionierung plant, ist keine Aufbruchstimmung zu spüren.

Ein Erklärungsversuch liefert Eva Hesse in einem kürzlich erschienenen Artikel im Tages-Anzeiger (Wohin willst du, Kunststadt Zürich?, 25.09.2017).

Tatsächlich erscheint die Zürcher Kunstlandschaft zwar als reich bestückt, doch seltsam unkonsolidiert. Die Koordination zwischen den einzelnen Kunstinstitutionen ist praktisch inexistent. Es finden kaum Programmabsprachen statt, die Profile sind nicht geschärft (alle machen ein bisschen alles), gemeinsame Kommunikation der Veranstaltungen oder eine gemeinsame Charmeoffensive dem Publikum gegenüber liegen nicht einmal als Projekte auf dem Tisch. «Jeder strickt an seiner eigenen Geschichte», sagt ein Insider.

Wie es anders aussehen kann, führt zurzeit die neu zum Leben erwachte Kunstmetropole Los Angeles vor. Das Grossprojekt «Pacific Standard Time» bündelt konstruktiv alle Kräfte; Galerien, Museen und freie Kuratoren machen mit.

Eine ähnliche Solidarität hat in den 1990er-Jahren dem damals aus dem ­Boden gestampften Projekt Löwenbräu seine Strahlkraft verliehen. Da haben eine öffentliche Institution wie die Kunsthalle, ein privatwirtschaftlich finanziertes Haus wie das Migros-Museum für Gegenwartskunst und etliche grosse und kleine Galerien in der Praxis vorgeführt, wie eine Verbrüderung über die Grenzen der wirtschaftlich abgesteckten Bereiche aussehen kann.

Braucht es demnach wieder mehr Zusammenhalt, gemeinsame Strategien und Planung der Institutionen, der Stadt, oder erlangt dies nur eine gebündelte, kurzfristige Aufmerksamkeit? Was würde es dann benötigen, um Zürich nachhaltig einen internationalausstrahlenden Kunstruf zu verschaffen? Finanzstadt, Dienstleistungsstadt, neu Kunststadt? Darüber nachzudenken, zu diskutieren und mitunter zu interventieren lohnt es sich alleweil, denn uns betrifft es.


Aktueller Artikel im brand-new-life Online Magazine: Drop-Sculpture-Ansatz der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR) / 28.08.2017

 

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